„Beobachte deine Gedanken“ ist ein guter Anfang. Aber kein Endpunkt.

Von Urs Mantel

In vielen Meditations- und Bewusstseinspraktiken lernen wir zunächst, einen Schritt zurückzutreten:

Da ist ein Gedanke – und ich beobachte ihn.
Da ist ein Gefühl – und ich nehme es wahr.

Damit entsteht Abstand zur eigenen Persönlichkeit. Wir erkennen: Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin nicht meine Gefühle oder Emotionen.

Doch Stephen Wolinsky geht in seiner Quantenpsychologie einen entscheidenden Schritt weiter:

Auch der Beobachter ist Teil der Persönlichkeit.

Denn wer beobachtet gerade?

Der Beobachter, der denkt: „Das hätte ich besser machen müssen“, ist nicht zwingend derselbe wie jener, der denkt: „Das habe ich gut gemacht.“

Mit jeder Erfahrung entsteht nach Wolinsky eine entsprechende Beobachteridentität. Beobachter und Beobachtetes gehören zusammen.

Besonders interessant wird es dort, wo wir glauben, unser Beobachter sei eine neutrale oder sogar spirituelle Instanz.

Wolinsky zeigt: Dieser Beobachter kann beispielsweise eine verinnerlichte Vater- oder Mutterinstanz sein. Dann betrachten und beurteilen wir uns noch immer durch die Augen unserer frühen Prägungen – und halten das möglicherweise für bewusste Selbstbeobachtung. Der Beobachter ist Teil des Egos.

Die Beobachterposition ist ein wichtiger Zwischenschritt. Aber sie ist nicht das Ziel.

Der nächste Schritt besteht darin, auch die Identifikation mit dem Beobachter loszulassen.

Damit verändert sich etwas Grundsätzliches:

Aus „Ich beobachte meine Erfahrung“
wird zunehmend unmittelbares Gewahrsein.

Die Trennung zwischen demjenigen, der wahrnimmt, und dem, was wahrgenommen wird, beginnt sich aufzulösen.

Wolinsky bezeichnet die dahinterliegende essenzielle Natur zunächst als „Ich bin“. Darüber hinaus führt sein Weg zum „Nicht-Ich-Ich“, dem stillen Zeugen – jenseits der Dualität von Beobachter und Beobachtetem, jenseits von Erfahrungen.

Da entsteht wirksame Stille mit grossem Nutzen für das Business und das Leben allgemein.

Vielleicht liegt genau hier eine entscheidende Grenze vieler Bewusstseinspraktiken:

Wir lernen, unsere Persönlichkeit zu beobachten.
Aber wer beobachtet den Beobachter?

Mit diesem Thema beschäftigt sich meine Masterclass 1: Selbstführung aus Präsenz und Stille.


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